Wissenschaftliche Erklärungsansätze zur Mensch-Tier-Bindung

oder: Warum hat ein Schulhund positive Effekte auf die Schülerinnen und Schüler?

Es gibt ein paar Studien und Untersuchungen an verschiedenen Schulen, die meistens positive Effekte in verschiedenen Bereichen feststellten, zum Beispiel eine Steigerung der Empathie, eine verbesserte Integration in den Klassenverband, Reduktion von aggressivem Verhalten, eine Verbesserung des Klassenklimas, mehr Freude am Lernen, weniger Schulunlust und noch einige andere Effekte (vgl. Beetz (2015): Hunde im Schulalltag, S. 51ff)

Warum haben wir Schulhunde so positive Effekte?

Dazu gibt es viele Hypothesen. Von ein paar davon will ich euch hier in Kürze erzählen, das bestimmt wichtigste zuerst:

 

Oxytocin-Ausschüttung

Oxytocin ist ein Hormon, das auch gern als "Bindungshormon" bezeichnet wird. Oxytocin wirkt stressreduzierend, da es dem Stresshormon Kortisol entgegen wirkt. Außerdem kann es den Blutdruck und die Herzfrequenz senken, die Schmerzgrenze heraufsetzen und entzündungshemmend wirken. Dadurch reduziert es Angst, fördert die Bindung zwischen Partnern, wirkt Depressivität entgegen, vermindert Aggressivität und fördert die Empathie. Ziemlich cooles Hormon, oder? Und jetzt kommt es noch besser: Das Hormon Oxytocin wird bei euch Menschen ausgeschüttet, wenn ihr einen Hund streichelt, den ihr gut kennt. Und damit komme ich ins Spiel: Wenn ich also häufig in einer Klasse zu Besuch bin und mich streicheln lasse, dann kann bei den Schülerinnen und Schülern Oxytocin ausgeschüttet werden. Dadurch wird deren Stress reduziert und es kann zum Beispiel eine bessere Konzentration oder eine positivere Selbstwahrnehmung erreicht werden. Beim Streicheln und Spielen mit mir kann außerdem auch noch Endorphin ausgeschüttet werden, ein Hormon, das glücklich macht. Tolle Sache, findet ihr nicht? Ich sorge also dafür, dass die Schülerinnen und Schüler sich stressfrei und glücklich fühlen. Und das nur, weil ich da bin und mich streicheln lasse! Wenn ihr euch genauer mit den Wirkungen von Oxytocin beschäftigen wollt, dann empfehle ich das Buch: Julius/ Beetz/ Ktrschal/ Turner/ Uvnäs-Moberg (2014): Bindung zu Tieren. Göttingen: Hogrefe Verlag.

 

Bindungstheorien

Ein weiterer Erklärungsansatz, warum wir Schulhunde uns so positiv auf das Lernen auswirken, kommt aus der Bindungstheorie. Dabei geht man davon aus, dass Kinder schon früh bestimmte Bindungsmuster erlernen und diese auf verschiedene Bezugspersonen, das sind zum Beispiel Eltern, KindergärtnerInnen oder LehrerInnen, anwenden. Manchen Kindern fällt es aber schwer, eine positive Bindung zu Bezugspersonen aufzubauen. Aber oft können sie eine Bindung zu Tieren - also zu einem Schulhund - aufbauen. Wenn sie nun positive Bindungserfahrungen mit einem Tier gemacht haben, können sie diese möglicherweise auf soziale Situationen mit Menschen übertragen. Oder gemeinsam mit dem Tier positive soziale Erfahrungen mit Menschen sammeln. (vgl. Vernoji/ Schneider 2013: Handbuch der tiergestützten Intervention. S. 10ff) Eng verknüpft mit Bindung ist auch Fürsorge- oder Pflegeverhalten, also für ein Lebewesen sorgen. Auch das dürfen die Schülerinnen und Schüler mit mir machen: Wasser und Futter vorbereiten, meine Decke ausbreiten, mich streicheln oder bürsten. Als Schulhund kann ich meine Schülerinnen und Schüler also unterstützen, positives Bindungs- und Pflegeverhalten zu erlernen. Und die positive Bindung, die sie mit mir erleben, können sie dann auf andere, zwischenmenschliche Beziehungen übertragen.

Ich glaube ja, dass mein Frauchen eine beliebte Lehrerin ist, weil ich immer dabei bin. Ohne mich wäre sie das bestimmt nicht! Oder? Ich finde es jedenfalls klasse, dass ich auf dem Flur immer als erstes begrüßt werde: "Hallo Blade!" und dann erst: "Hallo Frau K.!" Frauchen sagt, wenn sie ohne mich unterwegs ist, dann ist die Begrüßung oft so: "Hallo Frau K., wo ist Blade?" Ich bin also sowieso der Wichtigste hier im Unterricht! Ohne mich läuft hier nichts! Oder?

 

Hunde machen Spaß und motivieren

Ja,das tun wir und das darf man auch nicht vergessen: Ein Hund in der Klasse macht den meisten Schülerinnen und Schülern einfach Spaß! Egal, ob ich jemandem ein Spielzeug bringe oder "Bladesinn" mache wie den Papierkorb ausräumen - die Schülerinnen und Schüler haben Spaß! Beim gemeinsamen Spielen und Lernen kann ich positive Erfahrungen fördern: Wenn es einem Schüler oder einer Schülerin gelingt, mir das richtige Kommando zu geben, erleben sie sich selbstwirksam und das Erlebte wird positiv verknüpft - und positiv verknüpfte Erfahrungen werden viel besser im Gehirn "gespeichert". Außerdem wirke ich motivierend auf die Schülerinnen und Schüler: Fast immer haben sie Lust, etwas mit mir gemeinsam zu machen und sind auch bereit, andere, vielleicht unangehme oder anstrengendere Aufgaben zu lösen, wenn sie dann etwas mit mir gemeinsam machen können. (vgl. Beetz 2013: Hunde im Schulalltag)

 

Zusammenfassung

Es gibt noch viele andere Erklärungsansätze, warum wir Schulhunde uns so positiv auf die Schülerinnen und Schüler auswirken, aber das könnt ihr gerne in der jeweiligen Fachliteratur nachlesen. Ganz kurz zusammengefasst:

Bei meiner Arbeit in der Schule sorge ich für

  • Stressreduktion
  • positive Interaktionen und Beziehungen
  • eine gute Lernatmosphäre (Motivation, Spaß, positive Stimmung)

Genauer nachlesen könnt ihr das in Beetz 2013: Hunde im Schulalltag. S. 103ff. Übrigens gelten diese positiven Effekte nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für mein Frauchen! Und wenn die Lehrerin in der Klasse auch weniger gestresst ist, auf positive Beziehungen eingestellt und Spaß und Freude am Unterrichten hat, dann wirkt sich das natürlich auch auf den Unterricht aus, ganz klar!

 

So, nun haben wir aber wirklich genug Zeit mit wissenschaftlichen Erklärungen verbracht. Eigentlich sind mir die ja auch gar nicht so wichtig - hauptsache meine Schülerinnen und Schüler haben so viel Freude mit mir wie ich mit ihnen!

 

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